Wieder goldene Zeiten für Camping in Tschechien?
Die Zahl der Touristen, die auf Campingplätzen in Tschechien übernachten, nimmt von Jahr zu Jahr ab. Während hier 2004 noch 1,3 Millionen eine Unterkunft fanden, waren es letztes Jahr schon um 300 000 weniger. Wie wird es mit den Campingplätzen weitergehen? Werden die Besucherzahlen weiterhin stagnieren oder wird das Campen wieder eine Blütezeit erfahren? Das wachsende Interesse an Ökotouristik und Urlaub auf dem Land könnte dem Camping zugute kommen, vieles hängt jedoch davon ab, inwieweit sich Dienstleistungen und Marketing verbessern.
Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt. Ein Sommerurlaub im Zelt, veraltete sanitäre Anlagen, warmes Wasser nur am Morgen, Warteschlangen vor dem Kiosk. Mit so einem Angebot könnten Campingplätze heutzutage bald zumachen. Ausländische und tschechische Touristen haben immer höhere Ansprüche und erwarten für ihr Geld entsprechende Leistungen. „In der Tat ist ein Trend der fortwährenden Verbesserung und Anhebung des Standards bei den Dienstleistungen spürbar. Die Eigentümer stecken jedes Jahr einen Teil ihres Gewinns in Sanierungen oder Vergrößerungen. Das ist im Übrigen ein absolutes Muss, wenn sie auch für eine Klientel aus dem Ausland attraktiv sein wollen. Zum Unterkunftsangebot kommen weitere Dienstleistungen hinzu: Animateure, Kinderecken, Sommerkino oder Massagen,“ so Rostislav Vondruška, Direktor der Agentur CzechTourism.
Campingplätze sind zwar weniger gut besucht als früher, werden aber deswegen nicht geschlossen. Im Gegenteil, nach Angaben des Tschechischen Amts für Statistik waren letztes Jahr über 500 Campingplätze in Betrieb, das sind einige Dutzend mehr als im Jahr 2000. Einen Hinweis auf die Qualität der Campingplätze liefert wie bei Hotels die Anzahl der Sterne. In der niedrigsten Kategorie müssen Sie mit einer Feuerstelle statt einer Küche auskommen, vier Sterne wiederum verraten, dass hier mit Karte gezahlt werden kann oder dass es auf dem Gelände ein Naturbad oder einen Swimmingpool gibt. Eine höhere Anzahl von Sternen muss jedoch nicht automatisch einen höheren Preis bedeuten. Zwei Campingplätze mit derselben Bewertung bieten ihre Dienste möglicherweise zu absolut unterschiedlichen Preisrelationen an. Eine Untersuchung der Agentur CzechTourism bestätigt auch in diesem Fall die klassische Diskrepanz zwischen Prag und den Regionen. Die günstigsten Campingplätze Tschechiens werden im Bezirk Mähren-Schlesien betrieben – eine Übernachtung im Zelt kommt hier eine vierköpfige Familie im Durchschnitt auf CZK 215. In Prag hingegen muss dieselbe Familie tief in die Tasche greifen. Pro Nacht muss sie hier mit rund CZK 770 rechnen. Zu den teureren Lokalitäten gehören auch die Bezirke Mittelböhmen (im Durchschnitt CZK 660) und Karlsbad (CZK 455), einen günstigeren Urlaub gibt es zum Beispiel in den Bezirken Zlín (CZK 271) oder Südböhmen (CZK 280).
Die tschechischen Preise weichen dabei nicht allzu sehr vom europäischen Standard ab. Eine vierköpfige Familie mit Auto und Zelt zahlt pro Tag etwa gleich viel wie in Ungarn, Polen oder z.B. in Norwegen (€ 15–20). Eine Ausnahme bilden die Campingplätze in der Nähe Prags, diese nähern sich dem Niveau Westeuropas oder z.B. Kroatiens an (ca. € 30). Am teuersten kommt eine Übernachtung auf einem Campingplatz in Italien (€ 40–60). Doch die Tschechen sind unzufrieden mit den Preisen, die hierzulande auf Campingplätzen verlangt werden. Die Ergebnisse einer Internetumfrage auf den Internetseiten für Freizeittipps „Kudy z nudy“ haben gezeigt, dass 78 % der Befragten die Preise auf tschechischen Campingplätzen in Anbetracht der Qualität der gebotenen Dienstleistungen für übertrieben halten. Nur 5 % waren mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden.
Das Übernachten in der Natur erfreut sich auch anderswo in der Welt großer Beliebtheit. Zwischen europäischen und nordamerikanischen Campingplätzen gibt es dabei gewaltige Unterschiede. Während Amerikaner auf ihren Streifzügen durch die Natur auf Campingplätzen übernachten, verbinden europäische Campings den Ausflug in die Natur mit Unterhaltung und Zerstreuung. Europäer nutzen Campingplätze zudem gerne, um bei den Reisekosten zu sparen. Daher sind Campingplätze hier in unmittelbarer Nähe von Städten oder mitten in Ballungsgebieten zu finden. Zu den beliebtesten Lokalitäten in Tschechien zählen Südböhmen, die Umgebung von Prag, der Böhmerwald sowie Südmähren.
Zu den „Stammgästen“ auf tschechischen Campingplätzen gehören die Niederländer. Der Boom aus dem Jahr 2000 jedoch, als über 165 000 nach Tschechien gereist waren, blieb bisher einmalig. Die Niederländer kaufen sich hier nämlich oft eigene Anwesen, bauen ganze Areale, sodass Campingplätze keinen allzu großen Reiz mehr auf sie ausüben. Doch die Klientel ändert sich und somit hat der Campingplatz nach wie vor eine Zukunft, meint Bohumil Starý, Präsident des Verbands für Camping und Caravaning der Tschechischen Republik. „Die Zahl tschechischer Touristen, aber auch der Gäste aus weiter entfernt liegenden Ländern – aus Russland und dem Baltikum – wird wieder zunehmen. Wir müssen unser Marketing auf Länder richten, mit welchen wir historisch und sprachlich viel gemein haben: die Slowakei und Polen.“
Autorin
Markéta Chaloupková & Abt. Trendforschung der Agentur CzechTourism


